Ich danke Adolf Hitler
Heute in der der Sz am Wochenende: Harald Schmidt über Hitler, ein Interview von Willi Winkler.
Als im Untergang Bruno Ganz zum ersten Mal als Hitler ins Bild kam, dachte ich: Jetzt wird's lustig, das meint der doch nicht ernst.
Bruno meint es sehr, sehr ernst. Ich war ja bei der Premiere in Berlin. Und habe glecht. Aber da war ich der Einzige.
Nur am Anfang?
Mehrfach! Wenn ich diese Stimme höre, diese gespielte Hitlter-Stimme, da muss ich einfach lachen.[...]
Kann es sein, dass das Original nicht zu übertreffen ist?
Da ich den echten wie gesagt nicht mehr erlebt habe, kenne ich eigentlich nur den Medien-Führer. Das könnte übrigens ein unverfängliches Nachschlagewerk sein, der "Medien-Führer", geht aber nicht: Der Begriff "Führer" ist ruiniert für alle Zeiten. [...]
Mein Speicher ist momentan gut gefüllt mit Führer-Infos. Was ich schon nicht mehr verfolgen konnte, war "Hitler und die Bombe" und auch "Hitler träufelte sich Kokain in die Augen". Das eröffnet ganz neue Aspekte beim Führer. Sört es Ihre Chefredaktion, wenn wir immer vom "Führer" sprechen? Sollen wir lieber sagen: "Die Bestie"? [...]
So groß war der Führer auch wieder nicht [Anm. Es geht um Körpergröße]
Als ich damals im katholischen Gemeindehaus Nürtingen für die Senioren gespielt habe, sagten die zu mir: "Herr Schmidt, wie groß sind Sie?" - "1,94" - Donnerwetter, da wären Sie ja LAH gewesen!
L-A-H?
Leibstandarte Adolf Hitler. Den Begriff kannte ich gar nicht. LAH! [...]
Ephraim Kishon hat im Auto gerne Reden von Hitler und Goebbels gehört. Kann man von Adolf Hitler etwas lernen?
Das weiß ich nicht. Für Kishon hatte das bestimmt einen andern Bezug. Ich würde es nicht machen.
Wenn man an der roten Ampel steht, das Fenster runterdreht, und aus dem Lautsprecher kommt der Führer, gibt das sicher einen interessanten Effekt.
Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort: Ich habe nie Führer-CDs besessen. Wir befinden hier in einem Stadtteil Kölns, in dem sehr viel türkische Bevölkerung integriert wird. Angenommen, ein türkischer Mitbürger fragt mich nach dem Weg, während der Führer aus dem Lautsprecher dröhnt, das könnten Sie so schnell nicht erklären. [...]
[Anm.: Es geht um das Kriegsende]
Befreit, besiegt, verloren - das klingt fast wie ein Schlager (singt): Befreit, besiegt, betrogen. [...]
Mel Brooks hat sich bei der Tony-Verleihung bei Hitler bedankt! [Anm. Mel Brooks Hitler-Film The Pruducers läuft als Musicaladaption mit großem Erfolg am Broadway. Mel Brooks ist übrigens selbst Jude]
Das müssten Bruno Ganz und Bernd Eichinger eigentlich...
Ja, nur: Mel Brooks darf das. Ich empfehle niemandem, bei der Bambi-Verleihung zu sagen: "Ich danke Adolf Hitler."