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24177 am 7.5.05 09:51


8. Mai and you don't stop

8. Mai überall. Schmidt über den Führer in der SZ (das ganze Interview), die Feuilletons über das Stehlenmahnmal allerorten und die Linke zum Ende des Krieges auf Plakaten, Flugblättern und Publikationen.

Eine des besseren Publikationen ist vom Redaktionskollektiv Shukow herausgegeben werden. Smartes, linkes Bashing gängiger Vorstellungen über Nazideutschland. Unter anderem zu Der Untergang, aber auch zum Bedürfnis der Deutschen sich als Opfer des Dritten Reiches und Sieger des Krieges zu verstehen.

Hier die ganze Zeitung als PDF oder die Übersicht über die Texte der Gruppe Shukow.

Dafür: Spasibo!
24177 am 6.5.05 13:06


Vaterlandslose Gesellen (und wir sind stolz darauf)



In der ZEIT verliert der vielleicht affektierteste Juppie der deutschen Presse - Christoph Amend - ein Pro-Contra-Battle gegen Jens Jensen zum Thema "Kann man den Deutschen trauen?". Spätestens wenn man Amends oberflächliche Ausführungen mit den dümmstmöglichen Standardargumenten ("Wir sind Helden", keine Faschos in der Regierung, Schröder in Frankreich, überall Mahnmäler etc. pp.) hinter sich gebracht hat, ahnt man, weshalb man den Deutschen besser nicht trauen sollten: Weil sie sich in antifaschistischer Banalität und Oberflächlichkeit suhlen, während die Hohmänner den Applaus erneten und die Nazis im Osten die Parlamamente erobern.

Diese positive Vaterlandslosigkeit, die Verleumdung der deutschen Geschichte belegt mit der Banalität des Zeitgeistes, ist die eigentliche Gefahr und Dummheit. Weil der Faschismus eben nicht zwangsläufig unter einem Hakenkreuz und mit einem Pferdefuß daher kommt. Die Banalität als Pro-Argument zu sehen, ist - die "Banalität des Bösen" immer im Hinterkopf - schon erschreckend dumm.

Jens Jensen hingegen schreibt eine Mahung, die Wasser auf unsere Mühlen sind. Und Sätze, die man unterschrieben mag:

"[Der deutsche Faschismus] steckt im gereizten Kern der Gesellschaft. Es steckt in den Aufpassern, den Liebhabern des Verbietens und Strafens, den hysterischen Beobachtern jeder Abweichung. Es steckt im autoritären Charakter, wie ihn Erich Fromm beschrieben hat. Es steckt in dem Nachbarn, der die Kehrwoche kontrolliert, in dem Passanten, der den Falschparker anzeigt, ohne behindert worden zu sein, in der Mutter, die anderen Müttern am Spielplatz Vorhaltungen macht. Es steckt, mit einem Wort, in dem guten Bürger, der seine eifernde Intoleranz auf Befragen wahrscheinlich als zivilgesellschaftliches Engagement ausgeben würde."

"Gewiss gibt es Intoleranz, Sozialneid und verwahrloste Massenmedien auch in anderen Ländern. Aber dieser Hinweis täuscht nur darüber hinweg, dass Intoleranz in Italien nicht zu Rostocker Exzessen führt, Sozialneid in England nicht zur Abschaffung der Hochkultur aufruft und Massenmedien in Frankreich nicht dazu neigen, Intellektuelle als Nörgler vorzuführen. Übrigens hat auch die hierzulande beliebte Razzia auf die intellektuellen Pessimisten ihren Vorläufer im Nationalsozialismus und in Goebbels Kampagne gegen »das sogenannte Miesmachertum«."

"Mag jeder für sich prüfen, wie oft ihm solche Gedankenfiguren untergekommen sind, und dann entscheiden, ob den Deutschen zu trauen ist. Gewiss sind es größtenteils nur noch Spurenelemente der NS-Ideologie. Es gibt keinen Grund, die Deutschen ernsthaft zu fürchten. Aber sorglosen Gewissens unter ihnen leben kann man auch wieder nicht."
24177 am 6.5.05 12:54


Deutschland, Deutschland spürst Du mich...

...heute Nacht da komm ich über Dich

Eine Feierstunde zur bedingungslosen Kapitulation Deutschlands

Wenn in der Nacht zum 8. Mai trauernde Deutschlandfans, junge Wohlfühlpatrioten und hauptberufliche Opferdeutsche gesenkten Hauptes nach Hause schleichen, lädt "Eintracht Berlin" zu gut gekühlten Getränken und elektronischer Tanzmusik in den Festsaal-Kreuzberg. Zum 60. Jahrestag des alliierten Sieges über Nazideutschland lassen sich die Veranstalter nicht lumpen und brennen ein synergetisches Politparty-Feuerwerk ab. Statt hemdsärmeliger Suppenkasperrebellen aus der Deutschquotenpopperfraktion spielen standesgemäß Tobias Thomas (Kompakt, Spex), Pantha du Prince (dial), Felix Axter, MS Elbe, Achim Weber und FB Wong zum Tanz auf. Und weil das Gute dem Nützlichen gern die Hand reicht, kommt der alkoholschwere Partyerlös selbstredend den OrganisatorInnen der Kundgebung "»Deutschland – Du Opfer«. Gegen Geschichtsrevisionismus, Opfermythen und Kapitalismus" und der Antinazidemonstration am 8. Mai zugute.

Line-Up: Tobias Thomas (Kompakt, Spex, Köln) // Pantha du Prince (dial, Hamburg) // MS Elbe (Berlin) // Felix Axter (Astrastube, Hamburg) // Achim Weber (Berlin) // FB Wong (Eintracht Berlin)

ab 22:30h Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Str. 130, U-Bhf Kottbusser Tor, Berlin-Kreuzberg
24177 am 5.5.05 16:47


Deutschland Du Opfer

Gegen Geschichtsrevisionismus, Opfermythen und Kapitalismus

Geschichten vom »Bombenterror«, vom »Untergang« und »wie der Krieg nach Deutschland kam« interessieren 60 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus die hiesige Öffentlichkeit mehr als die Geschichte der Opfer der deutschen Vernichtungsmaschinerie.
Selbst im Bekenntnis zur Schuld und im Gerede von Befreiung inszeniert sich Deutschland als Opfer. Das Leiden der Deutschen bewegt die Gemüter rund um die verschiedenen Gedenktage im Jahr 2005.
Statt sich dem kollektiven Mitleid und dem neuen Geschichtsrevisionismus anzuschließen, feiern wir am Vorabend des 8.Mai in Berlin mit einem Konzert den Sieg der Alliierten über Deutschland. Open Air mitten im Herzen der »Berliner Republik«. Die Bands Tocotronic,Von Spar, Kassiopeia und Kraftpost feiern mit uns.

http://www.deutschland-du-opfer.de
24177 am 5.5.05 16:45


Ich danke Adolf Hitler

Heute in der der Sz am Wochenende: Harald Schmidt über Hitler, ein Interview von Willi Winkler.


Als im Untergang Bruno Ganz zum ersten Mal als Hitler ins Bild kam, dachte ich: Jetzt wird's lustig, das meint der doch nicht ernst.


Bruno meint es sehr, sehr ernst. Ich war ja bei der Premiere in Berlin. Und habe glecht. Aber da war ich der Einzige.


Nur am Anfang?


Mehrfach! Wenn ich diese Stimme höre, diese gespielte Hitlter-Stimme, da muss ich einfach lachen.[...]


Kann es sein, dass das Original nicht zu übertreffen ist?


Da ich den echten wie gesagt nicht mehr erlebt habe, kenne ich eigentlich nur den Medien-Führer. Das könnte übrigens ein unverfängliches Nachschlagewerk sein, der "Medien-Führer", geht  aber nicht: Der Begriff "Führer" ist ruiniert für alle Zeiten. [...]


Mein Speicher ist momentan gut gefüllt mit Führer-Infos. Was ich schon nicht mehr verfolgen konnte, war "Hitler und die Bombe" und auch "Hitler träufelte sich Kokain in die Augen". Das eröffnet ganz neue Aspekte beim Führer. Sört es Ihre Chefredaktion, wenn wir immer vom "Führer" sprechen? Sollen wir lieber sagen: "Die Bestie"? [...]


So groß war der Führer auch wieder nicht [Anm. Es geht um Körpergröße]


Als ich damals im katholischen Gemeindehaus Nürtingen für die Senioren gespielt habe, sagten die zu mir: "Herr Schmidt, wie groß sind Sie?" - "1,94" - Donnerwetter, da wären Sie ja LAH gewesen!


L-A-H?


Leibstandarte Adolf Hitler. Den Begriff kannte ich gar nicht. LAH! [...]


Ephraim Kishon hat im Auto gerne Reden von Hitler und Goebbels gehört. Kann man von Adolf Hitler etwas lernen?


Das weiß ich nicht. Für Kishon hatte das bestimmt einen andern Bezug. Ich würde es nicht machen.


Wenn man an der roten Ampel steht, das Fenster runterdreht, und aus dem Lautsprecher kommt der Führer, gibt das sicher einen interessanten Effekt.


Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort: Ich habe nie Führer-CDs besessen. Wir befinden hier in einem Stadtteil Kölns, in dem sehr viel türkische Bevölkerung integriert wird. Angenommen, ein türkischer Mitbürger fragt mich nach dem Weg, während der Führer aus dem Lautsprecher dröhnt, das könnten Sie so schnell nicht erklären. [...]


[Anm.: Es geht um das Kriegsende]


Befreit, besiegt, verloren - das klingt fast wie ein Schlager (singt): Befreit, besiegt, betrogen. [...]


Mel Brooks hat sich bei der Tony-Verleihung bei Hitler bedankt! [Anm. Mel Brooks Hitler-Film The Pruducers läuft als Musicaladaption mit großem Erfolg am Broadway. Mel Brooks ist übrigens selbst Jude]


Das müssten Bruno Ganz und Bernd Eichinger eigentlich...


Ja, nur: Mel Brooks darf das. Ich empfehle niemandem, bei der Bambi-Verleihung zu sagen: "Ich danke Adolf Hitler."

24177 am 30.4.05 11:35


Nazis kontrovers diskutiert

Alex: gut geschriebene, fast tagesaktuelle , popkulturelle (und so) Sachen.
Rock_Sternchen,(gefühlte 13, geschätzte 17): Ihr seid doch voll die Nazis!
MP: dumme Seite

24177 am 16.3.05 00:27


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